01.12.2017 - "Für jede Gemeinde interessant"

© Foto: RZ/Alexander Blach

Die öffentliche Hand setzt verstärkt auf Elektromobilität. Welchen Beitrag Raiffeisen-Leasing dazu leistet, das erklärt der Geschäftsführer des Fuhrparkmanagements, Renato Eggner.

Was muss sich an den politischen Rahmenbedingungen ändern, damit nachhaltige Mobilität in Fahrt kommt?

Renato Eggner: Wichtig wäre eine zentrale Stelle auf Bundesebene, die alle Themen der Elektromobilität koordiniert und zusammenführt. Es gibt die verschiedensten Regularien für die Errichtung von Ladestellen; der administrative Aufwand ist hier für Unternehmen sehr hoch. Auch bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur wurden geltende Richtlinien noch nicht großflächig umgesetzt.

Wichtig ist auch das Thema Förderung. Die Anreize funktionieren derzeit im Pkw-Bereich sehr gut, aber bei den leichten Nutzfahrzeugen fehlt der steuerliche Anreiz.

Wie stark ist die Vorbildwirkung der öffentlichen Hand?

Eggner: Der Wille und der öffentliche Druck sind da, mit Beispielwirkung voranzugehen. Öffentliche Unternehmen wollen stärker in nachhaltige Mobilität reingehen, aber bisher war es nur schwer möglich. Durch den neuen Rahmenvertrag mit der Bundesbeschaffungs GmbH kann jeder öffentliche Auftraggeber jetzt alternativbetriebene Fahrzeuge der neuesten Generation abrufen, das ist einzigartig in Europa. Der öffentliche Auftraggeber muss sich keine Gedanken über Vergaberechte machen, die oft mit hohem Aufwand und gewisser Unsicherheit verbunden sind.

Wie ist es zur Kooperation mit der BBG gekommen? Wie stark ist der Mitbewerb?

Eggner: Der Markt ist heiß umkämpft. Wir haben etwa dreizehn Fuhrparkmanager am österreichischen Markt und alle haben Interesse gezeigt. Ein wichtiger Punkt in der Ausschreibung war, ein Betreuungskonzept über den gesamten Fahrzeugzyklus zu gestalten. Beim Bestbieter-Verfahren konnten wir uns durchsetzen, weil wir auch die größte Erfahrung mit Elektrofahrzeugen haben.

Vor zwei Monaten gab es den Zuschlag. Wie ist diese Zusammenarbeit angelaufen?

Eggner: Die Einspruchsfrist ist vorbei und nun geht es um die möglichst komfortable Umsetzung für die Bedarfsträger. Die BBG ist da schon sehr modern - es gibt einen E-Shop wie bei großen Onlineplattformen. Wir haben jetzt auch schon die ersten Abschlüsse.

Gibt es konkrete Ziele? Wie viele Autos sollen elektrisch werden?

Eggner: Rein aus der Ausschreibung sind 1.134 Autos möglich, dem liegt eine Bedarfserhebung der BBG zu Grunde. Es sind aber nicht nur Elektroautos, sondern auch Hybrid-, Plug-In-Hybrid- und Erdgas-Fahrzeuge gefragt.

Ist das Potenzial in den Städten größer als am Land?

Eggner: Das kann man nicht eindeutig sagen. Es ist für jede Gemeinde interessant.

Wie Sie schon angesprochen haben, es geht nicht nur um die Beschaffung. Was gehört zur ganzheitlichen Fuhrparkmanagementlösung?

Eggner: Fuhrparkmanagement ist generell sehr betreuungsintensiv. Es geht um das Management der Fahrzeuge, also darum, die Kosten der Fahrzeuge möglichst gering und den Fuhrpark möglichst umweltfreundlich zu gestalten. Das beginnt in der Beratungsleistung vor der Anschaffung, geht weiter über die richtige Wahl des Fahrzeuges, die Betreuung über die Nutzungsdauer, bis hin zur Einsteuerung von Nachfolgefahrzeug und Aussteuerung des Altfahrzeuges. Ein Vorteil im Operating-Leasing ist, dass der Kunde keinerlei Verwertungsrisiko hat. Neben der operativen Abwicklung und Betreuung übernehmen wir auch das Monitoring, um Optimierungspotenziale herauszufinden.

Welche Vorteile bietet die neue Kooperation für die Raiffeisen-Leasing?

Eggner: Elektromobilität ist ein Schwerpunkt, der gut zur Genetik von Raiffeisen passt. Wir wollen sehr nachhaltig wirtschaften und waren deshalb Pionier auf dem Gebiet der Elektromobilität. Im bestehenden Portfolio des Raiffeisen-Leasing Fuhrparkmanagements beträgt der Anteil der E-Mobilität 7 Prozent, damit sparen wir eine Million Liter Treibstoff und rund 1.650 Tonnen CO2 pro Jahr.

Welchen Umwelteffekt hätte die Umsetzung von 1.134 Elektrofahrzeugen im öffentlichen Dienst?

Eggner: Es könnten jährlich bis zu 450.000 Liter Treibstoff und 1.200 Tonnen CO2 eingespart werden.

Wie lange läuft der Vertrag?

Eggner: Die Kooperation ist auf fünf Jahre abgeschlossen, aber mit der Option auf Verlängerung.

Quelle: Raiffeisenzeitung; Interview: Elisabeth Hell
© Foto: RZ/Alexander Blach